Sprich mit warmen Herzen….

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Der heutige Beitrag ist wohl einer der persönlichsten, die ich in diesem Blog schreibe und trotzdem ist er mir so wichtig, dass ich ihn mit Dir teilen möchte.

Eine kleine Geschichte:
Vor 14 Jahren starb meine Oma. Sie war meine wichtigste Bezugsperson und immer für mich da. Ich war zu der Zeit gerade schwanger. Ich erinnere mich noch sehr gut, wie wir bei ihr im Wohnzimmer sassen um es ihr mitzuteilen. Ich war damals im 2. Monat und wir sagten zu ihr, wir glauben es wird ein Junge und er wird Max heißen.
Sie hatte sich so gefreut.
Als ich im 4. Monat war ist sie für mich viel zu plötzlich gestorben. Damals sagten mir alle, wegen der Schwangerschaft solle ich nicht zur Aufbahrung gehen. Das war ein Fehler, den ich heute noch bereue.
Es vergeht seit 14 Jahren kein Tag, an dem ich nicht an sie denke. Oft sind es Gedanken, in denen ich sie um Rat frage, mich frage, was sie wohl dazu gesagt hätte, wie sie wohl gehandelt hätte.
Auch habe ich meinem Sohn viel von ihr erzählt, da er sie ja leider nicht kennen lernen konnte, war es mir wichtig, ihm eine Erinnerung an sie zu geben, die in ihm weiterlebt.

Bei meiner Oma wurde Krebs diagnostiziert. Sie ist erst sehr spät zum Arzt gegangen und hat mich in dem Glauben gelassen, dass alles gut wird, sie in Behandlung ist. Zwischen dem Telefonat in dem sie mir sagte, dass sie krank ist und dem Anruf, dass sie gestorben ist, vergingen nur 12 Tage. 12 Tage in denen sie mich im Glauben ließ, dass kein Grund zur Eile besteht.
An ihren letzten Tagen schrieb sie Zettel, wie die Waschmaschine funktioniert, wie man Reis kocht etc. Und ich bin mir absolut sicher, sie schrieb mir und unserem noch ungeborenen Sohn auch einen Brief. Nur dieser ist leider nie bei mir angekommen, weil ich denke, dass ihn jemand verschwinden lassen hat.
Vielleicht stand drin, dass ich etwas erben soll, vielleicht musste er deshalb weg.
Ich wartete also ab. Ich dachte, wenn mein Opa ebenfalls verstirbt, dann würde der Brief vielleicht auftauchen.
Mir geht es nicht darum, irgendwas zu erben, ich brauche so dringend die letzten Worte an mich von meiner Oma.

Jetzt habe ich erfahren, dass mein Opa bereits vor 2 Jahren verstorben ist und das Haus verkauft wurde.
Damit ist die letzte Chance weg, diesen Brief jemals zu bekommen. Und das zieht mir gerade den Boden unter den Füßen weg.
Mein Mann versucht mich zu trösten, er sagt, vielleicht hat sie ja gar keinen Brief geschrieben. Aber ich bin mir sicher, dass er existiert oder existierte.

Und es erfüllt mich mit einer unglaublich tiefen Traurigkeit und Wut.
Wut, weil die Gier grösser ist als das Herz.
Wut, weil die Wünsche und Gefühle eines Menschen einfach so missachtet werden.
Wut, weil ich machtlos bin.

Während ich diese Zeilen schreibe, spüre ich wie mir die Tränen hochsteigen, ich spüre die tiefe Liebe zu meiner Oma und ich spüre, das sie bei mir ist.

Und ich möchte dich inständig und von Herzen bitten, wenn auch du eine Person bist, die im Leben eines anderen eine solch wichtige Rolle spielt, sag und gib mit warmen Herzen.

Verlasse dich nicht darauf, dass alle nett sind, wenn du mal nicht mehr bist. Ich habe es bereits mehrfach gesehen, dass ganze Familien zerbrechen, wenn jemand stirbt. Hässliche Fratzen der Gier treten zu Tage.
Ich hoffe und glaube daran, dass jeder irgendwann für schlechte und auch gute Taten zur Verantwortung gezogen wird, aber das ist kein Trost für mich.

Aber ich spüre auch eine tiefe Dankbarkeit. Dankbarkeit, dass ich eine solche Großmutter haben durfte.
Eine, die mir heimlich Pakete mit Süßigkeiten geschickt hat, während ich auf Abnehmkur geschickt wurde.
Eine, die mir gezeigt hat, wie man sich in gehobenen Kreisen benimmt und wie man die ganzen Bestecke an einer festlichen Tafel benutzt.
Eine, die sich immer hinter mich gestellt hat und die immer gesagt hat „Wenn sie meine Enkelin nicht vernünftig behandeln, dann kauf ich hier den ganzen Laden und feuere sie!“ 😉
Eine, die immer zu mir gestanden hat und mit der ich über alles reden konnte.

Es ist so schade, dass sie Max nicht kennen lernen durfte, die beiden hätten gut zusammen gepasst.
Oma ich liebe dich so sehr!

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10 thoughts on “Sprich mit warmen Herzen….”

  1. Liebe Yvonne,
    Danke für deine Worte. Auch ich habe eine Geschichte mit meiner Oma, die zu früh gestorben ist an Krebs. Ich war 13 Jahre alt und mir wurde nicht gesagt wie schlimm es ist, das sie im Sterben liegt. Meine Oma hat mir in 13 Jahren mehr Liebe gegeben als meine Eltern in meinem ganzen Leben. Sie hat mich in dieser Zeit geprägt.
    Ich träume manchmal von ihr das sie lebt – ich durfte nicht auf die Beerdigung (war da schon im Heim seit zwei Monaten), konnte nicht Abschied nehmen. Die Träume sind sehr berührend und wenn ich aufwache bin ich voll Glück, sie ist noch bei mir.
    Ich bin jetzt 57 und die Tränen kullern immer noch wenn ich an sie denke während ich deine Zeilen lese.
    Schön das wir das Glück hatten so einen Menschen an unserer Seite zu haben.

      1. Gänsehaut- in meinen Träumen komme ich immer an ihrer Wohnung vorbei und sehe sie am Balkon stehen. Ich laufe dann schnell zu ihr und frage ganz aufgeregt wo sie die ganzen Jahre war und sie sagt :“ ich war sehr krank, aber jetzt geht es mir gut“.
        Der Traum ist noch bischen länger, aber irgendwie ist sie dann nicht mehr dabei.
        Es tut gut sie im Traum zu sehen.
        Vermutlich weil wir uns nicht verabschieden konnten, sie waren einfach weg,von einem Moment zum anderen.
        Wenn ich viel von ihr spreche, folgt meist bald wieder ein Traum. Das wünsch ich dir Yvonne.
        Ich drück dich

  2. Liebe Yvonne!
    Dein Bericht geht echt ans Herz und ist so wahr!
    Ich kenne es aus der eigenen Familie, dass sämtliche Erinnerungsstücke nach dem Tod eines lieben Menschen einfach weggeworfen wurden, weil sie offensichtlich nicht wertvoll oder „in Geld umsetzbar“ waren. Dass sie aber für einzelne Menschen sehr wichtig gewesen sind und nun für immer verloren, hat niemanden interessiert.
    Ich wünsche Dir, dass Du darüber hinwegkommst, dass es keinen Brief (mehr) gibt! Es ist sehr traurig, aber Du kannst es nicht mehr ändern. Und vor allem kannst du die Menschen, die nicht verstehen, wie wichtig solche Erinnerungen sind, nicht ändern. Aber Du kannst es einmal besser machen als die! Genauso, wie Du es geschrieben hast!

  3. puh , ich kämpfe grade mit den tränen , danke yvonne für die worte. ich hab vor 6 jahren meine grossmutter verloren und weiss wie hart das ist . wenn ich heute zum grab gehe ,muss ich immer wieder mit den tränen kämpfen.

    lg nicole

  4. Puh. Liebe Yvonne! Das geht zu Herzen. Ich lasse meinen Tränen frei laufen. Mir wollte man auch den Abschied von meiner toten Oma verbieten, weil ich schwanger war, aber ich habe mich durchgesetzt und alle aus dem Zimmer rausgeschickt und ganz intensiv Abschied von meiner Oma genommen und ihr noch sehr viel gesagt und ihr gedankt. Wenn ich Deine Zeilen lese, Yvonne, verspüre ich Stolz, mich gegen die ganze Familie damals durchgesetzt zu haben. Mir wurden diese Gefühle, wie Du sie heute noch spüren mußt, somit erspart. Danke für Deine Offenheit. Ich habe für mich daraus gelernt, offen über Krankheit, Tod auch mit meinen Kindern und Enkelkindern zu sprechen, damit sie die Möglichkeit bekommen, von mir einmal in Ruhe Abschied nehmen zu können, wenn sie es möchten. Meine Kinder habe ich auch zum Sterben meines Vaters und auch meiner Mutter mitgenommen. Einer meiner Söhne, bei dem ich damals dachte, daß es für ihn ganz besonders wichtig ist, Abschied vom Opa zu nehmen, hat mir, als er schon erwachsen war, erzählt, es hätte ihn ewig lange belastet. – so war diese Entscheidung also vielleicht doch falsch? – ich hatte es gut gemeint. – ich werde besser nochmals mit ihm darüber sprechen. – ich drücke Dich Yvonne! Du bist eine tolle Frau. Mit viel Herzenswärme und trotzdem taff. Hut ab ! –
    Vielleicht kommt der Brief Deiner Oma ja auf irgendwelchen Umwegen zu Dir, z. B. vom neuen Besitzer des Hauses. Nimm doch einfach mal Kontakt auf, dann hast Du wenigstens alles versucht. Ganz ganz liebe

  5. Liebe Yvonne, du sagtest doch sie ist da. Sprich mit ihr. Sie wird Dich spüren lassen,was sie euch geschrieben hat. Und ich denke du weißt es auch. Das Geld, das sie vielleicht vererben wollte, ist dir doch nicht so wichtig. Sie weiß, dass ihr es nicht bekommen habt. Verzeiht gemeinsam ( oma und du) den Menschen, die es sich einverleibt haben. Besuche einen Lieblingsplatz von euch beiden und sage ihr alles, was du ihr beim Begräbnis sagen wolltest. Schreibe es auf oder zeichne oder wie du möchtest und gib es ihr zum Grab oder vergrabe es oder sende es mit Luftballon in den Himmel. Es ist nicht zu spät sich zu verabschieden oder Worte zu sagen, die man aussprechen wollte.vertraue darauf und lasse in Liebe los, damit wieder Neues entstehen darf.Sie ist bei dir…immer..,))) nur anders…umarme dich!!!und vorallem sei nicht so streng mit dir…wg. begr.und das tun,was andere sagen…das war doch verständlich..du hattest ein baby in dir, alles neu sag ihr das und lass deine tränen fließen…

  6. Liebe Yvonne
    Mein Vater (1986) und ein Bruder (2006) sind für uns unerwartet gestorben. Es bleiben viele unbeantwortete Fragen. Aber ich habe mich nun entschlossen, via Jenseitskontakt (meine Freundin hat diese Fähigkeit) mit ihnen in Kontakt zu treten. Es wird bestimmt emotional sehr schwer werden, doch ich möchte es seit Jahren. Ich denke, wenn ich es dann gemacht habe komme ich endlich zur Ruhe. Sie fehlen mir unendlich! Ich denke noch sehr oft an sie, träume von ihnen und spreche mit ihnen. Versuche jemanden zu finden, der seriös Jenseitskontakte macht und Du wirst hören, was Deine Oma Dir noch sagen will. Mir hat eine Familienaufstellung sehr geholfen, um meinen Vater und meinen Bruder loslassen zu können. Mit dem Jenseitskontakt erhoffe ich mir, meinen inneren Frieden zu finden. Alle Liebe und Gute wünsche ich Dir!

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